Was für Dich zählt – Über Prioritäten und Werte

multa me negotia amicorum nec secedere nec studere patiuntur. Nulla enim studia tanti sunt, ut amicitiae officium deseratur.

„Die vielen Freundschaftsdienste lassen mich weder zur Ruhe kommen noch Studien betreiben. Keine Studien nämlich sind so wichtig, dass die Pflicht an der Freundschaft vernachlässigt werden sollte.“

– Plinius, Epistulae 8,9

 

Plinius, der Schriftsteller, Beamte und Jurist, verzichtet auf das, was ihm eigentlich heilig ist: seine (literarischen) Studien. Und er tut es nicht leichtfertig. Denn was er aufgibt, ist nicht bloß eine Tätigkeit. Vielmehr ist es ein Teil seiner Identität. Er entscheidet sich für Freundschaft und gegen das, was ihn sonst erfüllt. Damit macht er etwas, das vielen schwerfällt: Er setzt eine Priorität, die seinem inneren Kompass folgt.

Ein Konflikt der Werte

Unsere Prioritäten sind Spiegel unserer Werte. Doch im Alltag stehen diese Werte oft in Spannung zueinander:

  • Karrierewunsch vs. Selbstfürsorge
  • Autonomie vs. Zugehörigkeit
  • Authentizität vs. Loyalität

Wir können nicht alles zugleich. Jede Entscheidung bedeutet auch einen Verzicht – bewusst oder unbewusst. Doch oft wird für uns dieser Zusammenhang erst spürbar, wenn sich etwas in uns reibt. In der Regel sind wir hier noch funktional, unser Verhalten fühlt sich für uns aber nicht mehr stimmig an.

Das Coaching als Ort der Klärung

Unterstützung im Coaching suchen Menschen, die spüren, dass ihre Entscheidungen nicht mehr zu dem passen, was ihnen eigentlich wichtig ist. Sie treffen Entscheidungen aus Pflicht, aus Gewohnheit oder aus Rücksicht – und verlieren dabei den Bezug zu sich selbst.

Coaching bedeutet hier nicht, nach Effizienz zu streben oder Prioritäten zu sortieren wie Post-its. Es geht um eine tiefere Frage: Was ist mir wirklich wichtig? Und was hat nur Priorität, weil andere es von mir erwarten? In dieser Auseinandersetzung liegt kein Egoismus, sondern das Streben nach einem verantwortlichen und verantworteten Leben. Denn wer seine Entscheidungen an den eigenen Werten ausrichtet, handelt klarer. Und trägt sie auch dann, wenn sie unbequem werden.

Einladung zum Nachdenken

Wann hast Du das letzte Mal etwas zurück- oder vorangestellt? Und war es wirklich Deine Entscheidung?