Manchmal braucht es einen Brief: Cicero und die Wahl des richtigen Mediums

epistula enim non erubescit.

„Ein Brief errötet nämlich nicht.“

Cicero, Brief an Lucius Lucceius (fam. 5,12,1)

 

Cicero hatte ein Anliegen. Eines, das ihm zu heikel und indiskret erschien, als dass er es im direkten Gespräch hätte vorbringen können. Also wählte er den Brief, ein Medium, das ihm einerseits die nötige Distanz und Zeit zum Nachdenken bot, andererseits eine direkte Konfrontation seines Gegenübers mit seiner Bitte umging. Und obwohl sein Wunsch – die ehrenvolle Darstellung seines Konsulats durch den Historiker Lucceius – am Ende nicht erfüllt wurde, bleibt der Vorgang selbst aufschlussreich: Die Wahl des Mediums eröffnete ihm einen gesellschaftsfähigen Kommunikationsweg, den ihm der persönliche Kontakt verwehrt hätte.

 

Medienwahl ist Kommunikationsgestaltung

Auch wir stellen uns heute im beruflichen wie privaten Kontext regelmäßig die Frage: Wie teile ich etwas mit? Und über welchen Kanal? Schriftlich oder mündlich? Kurz oder ausführlich? In welchem Ton? Wer wird daran beteiligt? Kommunikation ist nicht nur geprägt von der kommunikativen Handlung (verbal, nonverbal, paraverbal), sondern auch durch den Rahmen, in dem sie geäußert wird und den wir manchmal selbst setzen können.

Ein kurzer Chat wirkt anders als eine durchdachte Mail, geschweige denn ein Brief. Ein spontaner Anruf anders als ein geplantes Gespräch. Nicht selten entscheidet das gewählte Medium darüber, ob die Botschaft überhaupt ankommt und wie sie verstanden wird. Außerdem ist bereits die Wahl des Mediums eine Aussage auf Beziehungsebene: Wie stehen wir (nach meiner Wahrnehmung) zueinander?

In Teams ist eine bewusste Medienwahl entscheidend, um Missverständnisse zu vermeiden, Verbindlichkeit zu schaffen und Kommunikation effizient zu gestalten. Wer zu oft zwischen Kanälen springt, riskiert Unklarheit, Nachrichtengewirr und Kommunikationschaos. Wer den Kanal wählt, der zum Anliegen passt, gewinnt an Wirkung und Stimmigkeit (die Kommunikation passt zu Anliegen und Situation).

 

Online-Coaching: Anders. Nicht schlechter.

Im Coaching als Entwicklungsbeziehung zwischen zwei Personen spielt das Medium ebenfalls eine zentrale Rolle. Ich arbeite ausschließlich online und werde häufig gefragt, ob das mit einem Vor-Ort-Coaching vergleichbar sei. Hinter dieser Frage steckt oft die Sorge, ob digitale Formate dieselbe Tiefe, Nähe oder Wirksamkeit erreichen können wie persönliche Begegnungen. Die einfache Antwort: Jein.

Online-Coaching ist anders. Es braucht klare Strukturen, gute Vorbereitung, methodische Sicherheit. Aber es bietet auch Möglichkeiten, die in der analogen Welt so nicht vorhanden sind.

 

Ein digitaler Raum kann Offenheit schaffen

Erinnere Dich an Situationen, in denen Du lieber geschwiegen hast, obwohl Du etwas hättest sagen wollen oder sollen. Was war der Grund? Angst vor Ablehnung? Der Wunsch, niemanden zu enttäuschen?

 

Mehr Flexibilität und Spontaneität

Kein Anfahrtsweg, keine Räumlichkeiten, die gebucht werden müssen. Das schafft Raum für Spontaneität und erleichtert es Coachee, sich die Zeit für ein Coaching im hektischen Alltag einzuräumen.

 

Qualität durch fundierte Ausbildung

Professionelles Online-Coaching braucht methodische Kompetenz. Studien und Fachbeiträge, etwa der von Prof. Dr. Berninger-Schäfer, zeigen: Mit entsprechender Qualifikation ist Online-Coaching ein wirksames Format.

 

Einladung zum Nachdenken

Wann hast du das letzte Mal bewusst darüber nachgedacht, wie du eine Botschaft übermittelst? Welche Medien nutzt du intuitiv, welche gezielt? Und gab es schon Situationen, in denen die Wahl des Mediums entscheidend für Erfolg oder Missverständnis war?