Gut gemeint – aber nicht immer gut für Dich
Surdum te amantissimis tuis praesta: bono animo mala precantur.
„Hör nicht auf deine Liebsten: Sie meinen es gut – dennoch ist schlecht, was sie dir wünschen.“
– Seneca, Epistulae Morales 31
Das klingt zunächst paradox. Wie kann es sein, dass die, die uns lieben, unserer Entwicklung im Weg stehen? Und doch: Wer kennt nicht die Stimmen von Eltern, Mentorinnen, Partnern oder Freundinnen – wohlmeinend, aber eben manchmal auch blockierend?
Wenn Fürsorge zur Fessel wird
Ratschläge von Menschen, die uns nahestehen, sind zumeist getragen von Liebe. Aber Liebe wünscht Sicherheit und schützt damit oft vor Veränderung. „Mach lieber etwas Sicheres.“ „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“ „Denk an die Konsequenzen.“
Diese Stimmen sind nicht bösartig, sondern Ausdruck von Sorge und nicht selten ein Echo eigener Erfahrungen. Doch sie können uns fesseln, indem sie uns an Maßstäbe binden, die nicht die unseren (und ggf. nicht mehr aktuell) sind. Was als Fürsorge beginnt, kann ungewollt zur Bremse werden.
Das innere Stimmkonzert
Im Coaching taucht dieses Phänomen häufig auf: Träume, die immer wieder verworfen werden. Entscheidungen, die aufgeschoben werden, „weil es gerade nicht passt“. Ein innerer Konflikt zwischen dem, was andere für richtig halten, und dem, was sich im Innersten richtig anfühlt.
Diese Vielstimmigkeit ist normal, aber sie macht uns unsicher. Wer hat Recht? Wem soll ich folgen? Und: Wer spricht hier eigentlich gerade: meine eigene Stimme oder die nachhallende Stimme eines anderen?
Durch Coaching unterscheiden lernen
Coaching bedeutet in solchen Momenten nicht, gegen alles zu rebellieren. Sondern darum, unterscheiden zu lernen: Zwischen dem, was gut gemeint ist, und dem, was Dir wirklich gut tut. Erst wenn diese Unterscheidung klar wird, entsteht ein Freiraum. Ein Raum, in dem Du selbst wählen kannst, welche Stimme Gewicht haben soll. Und welche Du ziehen lassen darfst.
Einladung zum Nachdenken
Wann hast Du zuletzt einen Ratschlag gehört, der richtig klang, sich aber in Dir falsch angefühlt hat? Und wie bist Du damit umgegangen?

