L’homme n’est rien d’autre que ce qu’il se fait. Tel est le premier principe de l’existentialisme.

Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht. Dies ist das erste Prinzip des Existenzialismus.

– Jean-Paul Sartre (1905-1980) – L’existentialisme est un humanisme

Sartre formuliert hier einen zentralen Gedanken des Existenzialismus: radikale Freiheit und die Verantwortung, die daraus folgt. Der Mensch ist, so seine These, nicht durch die Natur oder Gott festgelegt. Er wird zu dem, was er aus sich macht. Seine Existenz geht seinem Wesen voraus.

Ein Gedanke, der beflügelt. Und beunruhigt. Denn wenn ich wirklich absolut frei bin, wer trägt dann die Verantwortung für mein Scheitern?

Überfordernde Freiheit

In der Coaching-Welt begegnet uns Sartres Gedanke oft in vereinfachter Form, nämlich als (etwas abgegriffene) Motivationsformeln:

„Du musst Dich nur genug ändern wollen.“
„Wenn Du es wirklich willst, kannst Du alles schaffen.“
„Setz Dir keine Grenzen.“

Diese Botschaften klingen kraftvoll, sind aber gefährlich einseitig. Sie übersehen, dass Freiheit immer in Beziehung steht: zu unserer Geschichte, zu unseren Rollen, zu unseren inneren Mustern und äußeren Rahmenbedingungen.

Wir sind keine tabula rasa. Wir sind (glücklicherweise) ganz vielseitig bemalte Leinwände, auf denen Erfahrungen ihre Spuren hinterlassen haben. Unsere Lebensgeschichte (und was wir daraus machen) beeinflusst, was wir wollen und was wir für möglich halten.

Ermächtigende Freiheit

Systemisches Coaching versteht Freiheit nicht als grenzenlose Selbsterschaffung, sondern als bewusste Bewegung im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Es geht nicht darum, alles Alte zu verwerfen, sondern darum, das Bestehende zu verstehen und zu würdigen:

  • Was trägt mich?
  • Was begrenzt mich, aber schützt mich vielleicht auch?
  • Wo liegt mein tatsächlicher Handlungsspielraum?

Veränderung bedeutet hier nicht Zerstörung, sondern Integration. Nicht: „Alles ist möglich“, sondern: „Manches ist möglich! Und jeder Schritt zählt!“

Denn Freiheit ohne Maß kann lähmen. Selbstakzeptanz ohne Bewegung kann erstarren. Die Kunst liegt (wie so oft) dazwischen. Für unser Coaching heißt das: Was will ich wirklich verändern – und was darf bleiben, damit ich mir treu bleibe?

Einladung zum Nachdenken

Wie findest Du für Dich die Balance zwischen Veränderungsdrang und Selbstakzeptanz?