
Etiam capillus unus habet umbram suam.
„Auch ein einziges Härchen wirft einen Schatten.“
– Publilius Syrus, Sententiae
Im Alltag neigen wir dazu, das Kleine zu übersehen. Wir sind schließlich beschäftigt, in geschäftiger Eile, im beständigen Tun. Da rutscht uns dann mal ein Tonfall durch. Eine Formulierung, die mehr erahnen lässt, ohne dass wir ihr nachgehen.
Doch auch, wenn wir dies nicht sehen können (oder wollen), wirkt all das weiter.
Die Schatten des Unausgesprochenen
Ein einziger Nebensatz kann mehr verraten als eine lange Erklärung. Ein kurzes Zögern kann lauter sein als eine klare Antwort. Oft sind es gerade die kleinen Abweichungen, die anzeigen, dass sich etwas nicht stimmig anfühlt.
Im Coaching gilt meine Aufmerksamkeit deshalb nicht nur dem Gesagten, sondern auch dem, was mitschwingt. Dem, was sich zeigt, bevor das Gegenüber Worte dafür findet. Denn häufig liegt das Wesentliche nicht offen auf dem Tisch, sondern im Schatten des Offensichtlichen.
Das Kleine ist dabei kein Detail, das man übergehen sollte. Es ist ein Hinweis.
Raum geben, ohne zu überhöhen
Dennoch bedeutet Coaching für mich nicht, jede Nuance sofort zu problematisieren. Nicht jeder Schatten ist ein Drama. Aber jeder Schatten zeigt, dass da immer noch mehr ist, als das Beleuchtete vermuten lässt.
Dem Kleinen Raum zu geben heißt deshalb: es wahrzunehmen und ernst zu nehmen, ohne es größer zu machen, als es ist. Groß genug allerdings, um damit arbeiten zu können.
Denn was keinen Platz bekommt, wirkt weiter. Oft unbemerkt, aber nicht folgenlos.
Einladung zum Nachdenken
Welche kleinen Gedanken, Gesten oder Irritationen beschäftigen Dich gerade mehr, als es Dir vielleicht bewusst ist?
