Einträge von Fabian Neuwahl

Unser Denken mit Fragen in Bewegung bringen

„Whether the vanity and luxury of a few ought to stand in competition with the interest of a nation?“ – George Berkeley, The Querist, Frage 167   Eine einzige Frage. Und doch erschließt sie uns eine ganze Welt: moralisch, politisch und wirtschaftlich. George Berkeley stellte sie im Jahr 1736 und sie hat seither nichts von […]

Aller Anfang ist schwer: Mir selbst ein Freund sein

‚Quaeris, quid profecerim? amicus esse mihi coepi.‘ „Du fragst, welchen Fortschritt ich gemacht habe? Ich fange an, mein eigener Freund zu sein.“ Seneca, Epistulae Morales ad Lucilium (zitiert Hekaton von Rhodos)   Klingt doch gar nicht so schwer, oder? Doch obwohl es normal klingt, ist es für viele Menschen gar nicht so leicht, gut mit […]

Manchmal braucht es einen Brief: Cicero und die Wahl des richtigen Mediums

epistula enim non erubescit. „Ein Brief errötet nämlich nicht.“ Cicero, Brief an Lucius Lucceius (fam. 5,12,1)   Cicero hatte ein Anliegen. Eines, das ihm zu heikel und indiskret erschien, als dass er es im direkten Gespräch hätte vorbringen können. Also wählte er den Brief, ein Medium, das ihm einerseits die nötige Distanz und Zeit zum […]

Den Netten beißen die Hunde? Gedanken über Umgänglichkeit

Facilitas nimia partem stultitiae sapit. „Allzu große Umgänglichkeit schmeckt eine Spur nach Dummheit.“ Publilius Syrus, Sententiae   Ein harter Satz, der Widerstand produziert. Wie kann eine gute Eigenschaft wie Freundlichkeit schlecht oder sogar dumm wirken? Publilius Syrus spricht hier jedoch eine zeitlose Beobachtung aus: Wenn wir stets versuchen, es allen recht zu machen, verlieren wir […]

Klein, aber „oho“ – Warum Details mehr Bedeutung haben, als wir denken

„Die Neigung der Menschen, kleine Dinge für wichtig zu halten, hat sehr viel Großes hervorgebracht.“ Georg Christoph Lichtenberg   Lichtenbergs Zitat lässt sich so deuten, dass wir uns an scheinbar unwichtigen Momenten orientieren. Gerade solche bleiben häufig hängen und können (positiv wie negativ) eine große Wirkung entfalten: als Ausgangspunkt für Konflikte, neue Einsichten oder Veränderungen. […]

Leben ohne Angst? Epikurs Tetrapharmakon

Nil igitur mors est ad nos neque pertinet hilum, quandoquidem natura animi mortalis habetur.   „Nichts also bedeutet der Tod für uns, nichts hat er mit uns zu tun, da ja das Wesen unserer Seele als sterblich anzusehen ist.“  – Lukrez, De rerum natura 3, 830f.   Die Angst vor dem Tod reicht vermutlich bis […]

Nicht funktionieren, sondern leben!

Corpusculum hoc, custodia et vinculum animi, huc atque illuc iactatur; […] animus quidem ipse sacer et aeternus est et cui non possit inici manus. „Dieser Körpersack, Wächter und Fessel unseres Geistes, lässt sich hierhin und dorthin schleudern; […] unser Geist hingegen ist heilig, ewig und nicht kann man Hand an ihn legen.“ – Seneca, Trostschrift […]

Voller Vorfreude auf den nächsten Fehler?

Cuiusvis hominis est errare; nullius nisi insipientis perseverare in errore. „Ein jeder Mensch irrt sich; aber nur der Dumme beharrt auf seinem Irrtum.“ – Cicero, Philippicae 12,5   Ein Zahlendreher in einer E-Mail, eine vergessene Deadline oder ein unbedachter Kommentar: Fehler passieren. Jeden Tag. Dennoch hält sich hartnäckig die Vorstellung, sie müssten vermieden oder, da […]

Vielleicht wirst Du einmal dankbar zurückblicken

revocate animos maestumque timorem mittite; forsan et haec olim meminisse iuvabit.   Erinnert euch an euren Mut, lasst ab von Trauer und Furcht; vielleicht werden wir uns eines Tages auch daran mit Freude erinnern. – Vergil, Aeneis   Mit diesen Worten wendet sich Aeneas an seine erschöpfte Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt viele Gefahren durchgestanden […]

Souverän durch Zweifel! Normalfall Nicht-Wissen

quid est quod non statim sciat? Et tamen plerumque haesitat dubitat. Was gibt es, das er nicht auf Anhieb wüsste? Und dennoch: Meistens hält er inne und zweifelt. – Plinius der Jüngere, Epistulae   In unserer schnelllebigen Welt gilt Wissen als Macht. Durch die Digitalisierung und die stetige Informationsflut ist Wissen allgegenwärtig. Wer kompetent wirken […]