Einträge von Fabian Neuwahl

Die Kunst, nicht sofort überzeugt zu sein

ante enim iudicasti Epicureum te esse oportere quam ista cognovisti: ita necesse fuit aut haec flagitia concipere animo aut susceptae philosophiae nomen amittere. Du meintest nämlich, Epikureer sein zu müssen, bevor du all dies durchdrungen hast: daher musstest du entweder diesem Unsinn in deinem Innern Raum geben oder, gerade erst übernommen, diese philosophische Schule schon […]

Was für Dich zählt – Über Prioritäten und Werte

multa me negotia amicorum nec secedere nec studere patiuntur. Nulla enim studia tanti sunt, ut amicitiae officium deseratur. „Die vielen Freundschaftsdienste lassen mich weder zur Ruhe kommen noch Studien betreiben. Keine Studien nämlich sind so wichtig, dass die Pflicht an der Freundschaft vernachlässigt werden sollte.“ – Plinius, Epistulae 8,9   Plinius, der Schriftsteller, Beamte und […]

Gut gemeint – aber nicht immer gut für Dich

Surdum te amantissimis tuis praesta: bono animo mala precantur. „Hör nicht auf deine Liebsten: Sie meinen es gut – dennoch ist schlecht, was sie dir wünschen.“ – Seneca, Epistulae Morales 31   Das klingt zunächst paradox. Wie kann es sein, dass die, die uns lieben, unserer Entwicklung im Weg stehen? Und doch: Wer kennt nicht […]

Wenn Worte wirklich Gehör finden

expediam: tu fac ne ventis verba profundam. „Ich will es dir erklären: Du sorg‘ nur dafür, dass meine Worte nicht wirkungslos vom Wind davongetragen werden.“ – Lukrez, De rerum natura 4,931   Ein Appell, über 2000 Jahre alt – und doch vertraut. Worte entfalten ihre Kraft nur dann, wenn sie jemanden erreichen (können). „Ich rede. […]

Die Stimmen, die wir mit uns tragen

saepe pater dixit ‘studium quid inutile temptas? Maeonides nullas ipse reliquit opes. „Oft sagte mein Vater: ‚Warum übst du dich in einer so nutzlosen Kunst? Sogar Homer hat keine Reichtümer hinterlassen.‘“ – Ovid, Tristia IV,10   Ein stiller Satz. Keine Polemik, kein Spott. Nur Erinnerung. Ovid zitiert die Stimme seines Vaters, Jahrzehnte später, im Exil. […]

Warum wir uns selbst verstehen und andere bewerten

quia magis ea percipimus atque sentimus, quae nobis ipsis aut prospera aut adversa eveniunt, quam illa, quae ceteris, [… ] aliter de illis ac de nobis iudicamus. „Weil wir eher die Dinge wahrnehmen und fühlen, die uns selbst geschehen – sei es im Guten oder im Schlechten – als jene, die anderen geschehen, […] urteilen […]